(Gegen)Öffentlichkeit

Posted on Februar 5th, 2007 by kinokinow.
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Öffentlichkeit und Gegenöffentlichkeit

“Die Technik des Buchdrucks schuf die Öffentlichkeit. Die Technik der Elektrizität schuf die Masse.” - Marshall McLuhan, “Das Medium ist Massage”

Der bürgerliche Diskurs geht aus von der griechischen Polis als Ort der Öffentlichkeit. Was wir heute als Öffentlichkeit verstehen entwickelte sich erst auf Grundlage des Buchdruckes und der sich langsam entwickelnden Zeitungen im Geiste der Aufklärung. Doch war die Polis nicht der Wahrheit und Gerechtigkeit verpflichtet, sondern ein Ort in dem Machtpolitik umgesetzt wurde und Sklaven, Frauen und Fremde ausgeschlossen blieben. Auch der bürderliche Diskus der Aufklärung bezog sich ebenfalls rein auf den weißen Mann als Privateigentümer. Nun sind es solche Ausschlussmechanismen, gegen die sich das formiert, was heute als Gegenöffentlichkeiten bezeichnet werden kann.

“Gegenöffentlichkeit beschreibt Medien und Methoden, um Informationen, die in den Massenmedien bewusst oder unbewusst verschwiegen werden, publik zu machen. Oft wird mit Gegenöffentlichkeit auch der Inhalt der Information selbst oder die Adressaten dieser Information gemeint. Mit der Verbreitung des Internet hat die Gegenöffentlichkeit ein ideales Forum.

Wie der Name schon andeutet, befindet sich gegenöffentliche Presse in einem Gegensatz mit der etablierten, welcher diese gewöhnlich vorwirft, Tatsachen absichtlich zu unterschlagen. Etablierte Medien hingegen kritisieren die Gegenöffentlichkeit als unseriös und Verschwörungstheorien verbreitend.”

Gegenöffentlichkeit meint also in einem umfassenden Sinn erst einmal die Praxen, Kampf- und Organisationsformen all jener sozialen Gruppen, die mit ihren Erfahrungen und Interessen aus hegemonialer Öffentlichkeit ausgeschlossen bleiben.

Dabei ist Gegenöffentlichkeit nie etwas statisches, sondern ist immer in Bewegung. Einerseits gibt es die Tendenz, dass sich die Gegenöffentlichkeit von dem hegemonialen Diskursen abschottet, was auch mit Ghettopolitik sehr schön umschrieben werden kann. Andererseits versucht die Gegenöffentlichkeit immer wieder in den hegemonialen Diskurs einzudringen und ihn zu stören. Dabei kann es auch passieren, das die Gegenöffentlichkeit assimiliert wird und selbst zur hegemonialen Öffentlichkeit wird. Beliebte Beispiele dafür sind die Sozialdemokratie oder die Grünen.

Formal kann natürlich auch von rechtsradikaler Gegenöffentlichkeit gesprochen werden, insofern die “Neue Rechte” mit eigenen Zeitungen und Lesezirkeln, mit rechten Mailboxen und Netzwerken sowie mit subkulturellen Popstrategien und einer Straßenöffentlichkeit der Gewalt den Kampf um die kulturelle Hegemonie hierzulande erfolgreich aufgenommen hat. Erst unter Verweis auf eine inhaltliche Bestimmung von “Gegenöffentlichkeit” als ein Projekt allgemeiner Emanzipation macht die Rede von rechter Gegenöffentlichkeit keinen Sinn.

Gegenöffentlichkeit
Entwicklung und Bedeutung des Begriffs “Gegenöffentlichkeit” ein Text von Christoph Spehr

Die Ballade von ‘öffentlich’ vs. ‘gegenöffentlich’
ein Text von Carsten Does (in Zusammenarbeit mit der AG hybrid video tracks)

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