Ursachen

Posted on Februar 5th, 2007 by kinokinow.
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Entstehung neuer sozialer Bewegungen

In den letzten 20 Jahren haben sich die Zahl, Vielfalt und Ausdruckskraft verschiedener Basisbewegungen weltweit verstärkt. Neben den klassischen Arbeitskämpfen, der Frauenbewegung und “nationalen” Unabhängigkeitsbewegungen haben sich auch immer mehr sogenannte Einpunktbewegungen z.B. zu Umweltschutz und Menschenrechten etabliert. Schmelztiegel dieser Bewegungen stellt die sogenannte globalisierungskritische Bewegung dar, die “Bewegung von Bewegungen”. Innerhalb dieser Bewegungen haben sich andere Handlungs- und Aktionsformen entwickelt, weg von wenigen großen Massenmobilisierungen hin zu einer größeren Anzahl von Kleingruppenaktionen wie Transparenthängaktionen, Festkettaktionen oder Bürobesetzungen. Der Trend zu dezentralen und kreativen Aktionen hat das Wachstum des Videoaktivismus bestärkt, da er zur Vermittlung und Dokumentation eine wichtige Rolle spielt.
Entwicklung der Neuen sozialen Bewegungen
in der BRD

“Stimmen aus der globalisierungskritische Bewegung weltweit

Das Versagen der Massenmedien

Ein weiterer Grund für das Wachstum des Videoaktivismus ist das Versagen der Massenmedien die globale Krise (Umweltzerstörung, Kriege, extreme Armut und extremer Reichtum, usw.) wie auch lokale und regionale Probleme, die Teil der globalen Veränderungen sind angemessen thematisch abzudecken. Die Ursachen für diese Schieflage der redaktionellen Auswahl der Themen und die Art der Berichterstattung liegt in der inneren Struktur der Massenmedien.

Einerseits sind die Besitzverhältnisse entscheidend. Wenn das Medium ein Privatunternehmen ist dient es dem Zweck der Erwirtschaftung von Profit durch den Verkauf des Lesers, Zuschauers oder der Zuhöhrerin in Form von Werbung, da dies die größte Einnahmequelle ist. Dabei führt diese finanzielle Abhängigkeit von den Inserenten zu einer Beeinflussung der redaktionellen Inhalte. Nach einer Studie1 des Leipziger Wissenschaftlers Michael Haller gehören sogenannte Kopplungsgeschäfte, bei denen einem Anzeigenkunden bei der Auftragserteilung ein redaktioneller Gefälligkeitsartikel versprochen wird, für 44 Prozent der Chefredakteure zu einer gängigen Praxis.

In einer Studie des Netzwerks Recherche zum Verhältnis von PR und Journalismus werden auch noch andere Gründe für die Schieflage der redaktionellen Auswahl angeführt, die ihre Ursachen im ökonomischen System haben:
Eine immer geschickter agierende PR-Industrie trifft auf einen krisengeschüttelten Journalismus. “Die Zeit für Recherche wird knapper, Rationalisierung ist das Gebot der Stunde in Verlagen und Sendern. Die journalistische Arbeit wird auf immer weniger Schultern verteilt, die Redaktionsetats werden gekürzt. “Redaktionen werden von PR-Meldungen und leicht zu verwertenden Angeboten überflutet ? und unter Zeitdruck und Personalmangel ist die Versuchung groß, sie ins Blatt zu heben oder ohne weitere Recherche als Meldung zu verarbeiten”, sagt Ulrike Maercks-Franzen, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union. Michael Haller fügt hinzu: “Die Abhängigkeit von der PR-Produktion steigt umgekehrt proportional zur redaktionellen Ausstattung.”

Ein weiterer Grund dafür, warum die Mainstreammedien “Mainstream” sind, ist um eine Argumentation von Noam Chomsky aufzugreifen die sozialisierende Rolle von Eliteinstitutionen: Wer sich nicht anpasst, hat in der Regel schon verloren. Natürlich werden auch heute noch viele Redakteure trotz ökonomischer Sachzwänge sagen, dass sie in ihren Entscheidungen frei sind und niemand sie beeinflußt. Doch das ist in diesem Fall nicht der Punkt, sondern dass sie ihre Position gar nicht inne hätten, wenn sie nicht vorher schon unter Beweis gestellt hätte, daß niemand ihnen sagen muss, was sie schreiben sollen. Neben den Umstrukturierungen und Kommerzialisierung der Universitäten und Hochschulen, die die Gleichförmigkeit der Studierenden noch fördern wird, ist generell auch ein Trend in der Ausbildung der Journalisten zu erkennen, dass die Grenzen zwischen Journalismus und Public Relation verschwimmen, wie in der Studie des Netzwerk konstatiert wird. Dies führt nach Ansicht von Thomas Schnedler zu einen deformierten Selbstverständnis der Journalisten. Insteressant in diesen Zusammenhang ist z.B. in der Studie auch die Stellungnahme des PR-Spezialisten Prof. Dr. Klaus Kocks (Fachhochschule Osnabrück), wenn er auf die Frage ob PR heute professioneller als der Journalismus sei antwortet: “Ja, aber nicht erst seit heute? früher hieß das nur anders.” Auf die Frage ob es sich bei Journalismus und Public Relations noch um zwei getrennte Disziplinen mit zwei völlig unterschiedlichen Aufgaben handelt der Journalismus und PR e i n Kommunikationssystem bilden gab er zu Besten: “PR und Journalismus sind unterschiedliche Praktiken mit subjektiv unterschiedlicher Motivation innerhalb einer gesellschaftlichen Praxis und unter einem ökonomischen System. Funktion unterschiedlich, Struktur ähnlich, System identisch.” Das dieser systemimmanente Journalismus seine Aufgabe als sogenannte vierte Gewalt, die “objektive” Berichterstattung, nur beschränkt wahrnehmen kann und das system- und kapitalismuskritische Basisbewegungen von ihm nicht viel zu erwarten haben, zeigt der Alltag.

Die Zugangsmöglichkeiten zu dem, was Öffentlichkeit genannt wird, unterliegen zahlreichen ineinandergreifenden Filtern. Das ist nicht neu. Der Bedeutungszuwachs der PR-Branche verschiebt jedoch die Chancen sich Gehör zu verschaffen, ein weiteres Stück in Richtung derjenigen Protagonisten, die es sich leisten können, für ihre Anliegen die professionellen Kommunikationsmanger der einflussreichensten PR-Multis anzuheuern. Oder um es mit dem Worten der Berliner Geschaftsführerin von Hill und Knowlton zu sagen:

“Ja, wer das Geld hat, hat die Macht…”

Da jedoch die kritischen Basisbewegungen nicht über soviel Geld verfügen, wie die Institutionen, die von der Umweltzerstörung oder der Lohnarbeit profitieren, sind diese Bewegungen auf andere Technologien und Strategien angewiesen, um ihre Inhalte zu kommunizieren. Der Videoaktivismus ist eine dieser Techniken!

Getrennte Welten?
Journalismus und PR in Deutschland (Studie von Thomas Schendler / netzwerk recherche)

Warum die Mainstreammedien “Mainstream” sind
von Noam Chomsky

Informationskrieger:
PR-Agenturen im Dienst von multinationalen Konzernen und Lobbyverbänden, von Regierungen, Militär und Geheimdiensten.

Neue Technologien

Neue Technologien haben sich schon immer auf auf die Gesellschaft ausgewirkt. So wie z.B. der Buchdruck die Reformation beflüglet hat, sieht die kanadische Filmregisseurin Katerina Cizek die popularisierte Videotechnologie als ein Vehikel zur kommunikativen Demokratisierung.

Technology and revolution
aus der Dokumentation “seeing is believing”

Kamera

Vielleicht der wichtigste Grund den Aufstieg des Videoaktivismus liegt in der schnell wachsenden Verfügbarkeit von billigen, qualitativ hochwertigen Videoequipment. Wirklich tragbare Videoausrüstungen die von sozialen AktivistInnen mit großem Erfolg eingesetzt wurden, waren schon in den 1960er und 70er Jahren vereinzelt verfügbar, doch der Videoaktivismus fing erst an wirklich um sich zu greifen, als die 8mm und SVHS Camcorder Mitte der 80er Jahre auf dem Markt kamen.Was wirklich anders an diesen Kameras war, dass sie kleiner, einfacher zu bedienen und billiger waren, sowie eine bessere Qualität hatten, als ihre Vorgängermodelle. Sie hatten auch bessere Funktionen wie z.B. “steady-shot”, sofortige Wiedergabe, langlebige Akkus und einen schnellen Autofokus. Vielleicht noch wichtiger war, dass sich die großen Konzerne, welche die neue Technologie entwickelt hatten, sich dafür entschieden das Produkt für den breiten KonsumentInnenmarkt anzubieten und es so weit verfügbar zu machen.

Der lange Weg zur Videotechnik

Videoschnittsysteme

Als nächstes kamen große Entwicklungen bei den Videoschnittsystemen. Die billigen, einfach zu bedienenden häuslichen VHS-Schnittplätze verdrängen die teureren Industriestandard U-matic. Dann kamen die pc-basierenden Schnittsysteme mit dem Spitznamen “video toasters” auf den Markt, welche nicht nur billig waren, sondern auch über verschiedene Möglichkeiten von digitalen Effekten und Betitelung verfügten.

Heutzutage verfügt die Schnittsoftware über Effekte in Echtzeit, umfangreiche Farbkorrekturen und ähnliche Funktionen mit dem früher nur professionelle Studios ausgestattet waren. Außerdem gibt es aktuell 3D-Modellierungs- und Animationsprogramme wie zum Beispiel das frei verfügbare Programm Blender mit denen komplexe 3D-Animationen erstellt werden können.

Vertriebs- und Vorführtechnologie

Was im Bereich der Kameratechnik, besonders unter dem Aspekt der Verfügbarkeit, dem Videoaktivismus zum Durchbruch verhalf, nämlich die S-VHS-Camcorder, stellte im Bereich der Vertriebs- und Vorführtechnologie die VHS-Kassette und der VHS-Recorder dar. Dabei war jedoch nicht die technische Reife des Video Home System (VHS) von JVC entscheidend, da es u.a. technisch dem von Grundig entwickeltem Format Video 2000 unterlegen war, sondern die enorme Verbreitung, die durch eine geschickte Marketingstrategie erreicht wurde und Video 2000 vom Markt verdrängte. Heutzutage (2006) wurde die VHS-Kassette durch die DVD fast gänzlich abgelöst, wobei DVD-Player mittlerweile eine weite Verbreitung gefunden haben, aber die DVD’s auch in den meisten Multimedia-PC abgespielt werden können. Durch die Entwicklung von günstigen DVD-Brennern ist das Herstellen einer kleinen Auflage von selbstproduzierten Filmen kein Problem mehr. Das Aufkommen von billigen und lichtstarken Beamern ermöglicht heute öffentliche Screenings in guter Qualität, die früher nur in Kinos verfügbar war. Immer geringer Kosten für Webspace und immer größere Bandbreiten der Internetanschlüsse sowie immer weitere Verbreitung von Internetanschlüssen im allgemeinen machen es heute möglich Videos über das Internet zu publizieren. Hierzu kommt die Entwicklung von komfortabler Anwendungssoftware für das Herunterladen, Verwalten und Ansehen von Videos wie z.B. Democracy Player, die diese Vertriebsform für immer mehr Menschen attraktiver macht.

handicam timeline
aus der Dokumentation “seeing is believing”

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